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Dem Schatzmeister, Herrn Kommerzienrath Dr. Moritz, wurde Entlastung ertheilt und der Dank des Vorsitzenden ausgesprochen.

Weimar ward wiederum zum Vorort für Abhaltung der nächstjährigen Generalversammlung gewählt.

Sodann bestieg Herr Professor Dr. Max Koch die Rednertribüne, um den Festvortrag), betitelt Ludwig Tieck's Stellung zu Shakespeare, zu halten, dem reicher Beifall lohnte.

Hiermit war die Tagesordnung der Generalversammlung erschöpft und bleibt nur noch mitzutheilen, wie an Stelle des verstorbenen Professor Dr. Zupitza, der Intendant Herr von Vignau zum ersten, und an Stelle des wegen Verlegung des Wohnortes aus dem Vorstande geschiedenen, um die Gesellschaft so hoch verdienten Herrn Bronsart von Schellendorf, Herr Professor Aloys Brandl zum zweiten Vizepräsidenten erwählt wurden. Als Präsident für das neue Geschäftsjahr wurde Geh. Rath Dr. Oechelhäuser bestätigt. Die durch Herrn von Bronsart's Rücktritt gleichzeitig erledigte Stelle eines Vorsitzenden des geschäftsführenden Ausschusses ward Herrn Geh. Hofrath von Bojanowski übertragen.

1) Abgedruckt Jahrbuch XXXII, S. 330 ff.

The Cobbler's Prophecy.

Von

Robert Wilson.

Herausgegeben von Wilhelm Dibelius.

Fünf Exemplare der alten Originalausgabe von 1594 sind bekannt: zwei befinden sich in Oxford auf der Bodleiana, je eins im Britischen Museum, im Besitze des Earl of Ellesmere und in der Pepysian Library (vgl. Hazlitt, Handbook to the Literature of Great Britain. London 1867. Seite 659). Sie sind alle untereinander gleichlautend. Ein Exemplar der Neuausgabe von 1655, die Baker (Biographia Dramatica 11, 111) erwähnt, habe ich nicht entdecken können. Die vier erstgenannten Exemplare der Ausgabe von 1594 habe ich selbst benutzt, und sie, da noch kein Neudruck existiert, in Folgendem möglichst genau wiedergegeben. Nur die Eintheilung in Akte und Scenen habe ich beigefügt, auch die Bezeichnung der Personen (Ceres, Mercurie), die im Original oft nur angedeutet ist, ausgeschrieben. Die Orthographie ist, abgesehen von einigen Druckfehlern, die des Originals. Die Interpunktion ist modernisiert.

Der Dichter, Robert Wilson, ist der ältere dieses Namens, der, wie Fleay (A Biographical Chronicle of The English Drama II, 279) ausführt, im Jahre 1594 bereits gestorben war. Nur dieses Stück ist ihm mit voller Sicherheit zuzuschreiben; doch ist es wahrscheinlich, daß er auch The three Ladies of London (gedruckt 1584) und The three Lords and Ladies of London (gedruckt 1590) verfaßt hat, weil als Dichter dieser Stücke auf dem Titelblatt ein R. W. genannt wird, und beide Stücke mit dem Cobbler einen Hauptpunkt gemein haben: die Verwandtschaft mit den Moralitäten. Daß dieser Robert Wilson auch The Pedlar's Prophecy und Fair Em geschrieben habe, wie Fleay (a. a. 0. 281. - 283) behauptet, ist eine bloße Vermuthung.

Unser Robert Wilson war Schauspieler in der Truppe des Grafen von Leicester im Jahre 1574, und im Jahre 1583 in der Truppe der Königin.

In der Form steht das Stück den Moralitäten schon in der Wahl der Figuren nahe. Personifikationen von fünf Ständen und sieben reine Allegorien treten auf. Eine dieser Allegorien hat sogar eine Hauptrolle, die des Verführers, und spielt insofern die Figur des Vice. Contempt hat nämlich im Himmel die Venus umgarnt und aus der hohen Liebesgöttin die Göttin der sinnlichen Lust (Lust) gemacht; auf der Erde hat er den Höfling, den Gelehrten und den Edelmann bereits gewonnen und sucht nun auch den Soldaten zu verführen. Um seine Opfer zu täuschen, giebt er sich den harmlosen Namen Content, wie sich z. B. Hypocrisy in Lusty Juventus unter dem Namen Friendship bei den Menschen einschleicht. Den Vice als Contempt einzuführen, war, wie es scheint, ein origineller Gedanke unseres Dichters; die anderen allegorischen Figuren des Cobbler aber gehören zum alten Hausrath der Moralitäten: Lust findet sich in dem Moralspiel Nature und in The Trial of Treasure, Folly in Skelton's Magnificence und in World and Child, Dalliance ebenfalls in World and Child, Newfangle in Like will to Like. Wenn endlich, um auf eine einzelne Scene einzugehen, Contempt seine Unterthanen darüber streiten läßt, wer von ihnen am bequemsten und besten zu leben wisse, so läßt Newfangle in Like will to Like eine ganz ähnliche Disputation zwischen Tom Tosspot und Ralph Roister aufführen.

In der Tendenz ist unserm Stücke auffällig verwandt The Looking Glass for London and England, verfaßt von Thomas Lodge und Robert Greene (* 1592), gedruckt 1594, also in demselben Jahre. Im Cobbler werden uns alle Stände als verderbt gezeigt, bis auf den Soldaten und den einfachen Handwerker, der die Schuhe flickt. Der Schuster Raph, obgleich der niedrigste von allen, weissagt den Schuldigen ihr baldiges Ende; er kommt an den Hof, mahnt den Herzog an die strafende Gerechtigkeit und bewirkt, daß Herrscher und Staat sich vom Bösen abwenden Contempt's Haus wird verbrannt – und daß sich die verschiedenen Stände zu gemeinsamer Arbeit für das Staatswohl vereinigen. Im Looking Glass werden uns ebenfalls Vertreter der besseren Stände, Könige, Prinzen, Höflinge, Bürger, Gelehrte, in ihren Sünden vorgeführt; nach jeder Missethat erscheint der Prophet Hosea und verkündet Gottes Gericht; zuletzt tritt Jonas auf, wie Raph wider seinen Willen zum Propheten bestimmt, und predigt Buße vor König und Volk. Die Sünder bekehren sich, und das Stück schließt, wie der Cobbler, mit der Aussicht auf eine bessere Zukunft.

Daß die Rolle des Propheten in unserem Stücke gerade einem Schuster übertragen worden ist, hängt damit zusammen, daß der Cobbler wegen seines Mutterwitzes und seiner Eulenspiegeleien eine der beliebtesten Typen des englischen Volkshumors ist. Er war eine häufige Figur in Sprichwörtern (vgl. Hazlitt, English Proverbs S. 102, 385), er erscheint in den Merie Talys of Skelton Nr. 12, in den Hundred mery Talys Nr. 6 (Shakespeare Jest-Books I S. 20). Auch in das Lustspiel hatte er schon Aufnahme gefunden, z. B. in Greene's Pinner of Wakefield, wo die lustigen Schuhmacher von Bradford ihre närrischen Privilegien gegen jedermann, selbst den König, dreist verfechten, ähnlich wie der Cobbler in unserem Stücke Göttern und Menschen furchtlos gegenübertritt. Selbst eine prosaische Nachahmung der Canterbury-Geschichten war 1590 unter den Titel: The Cobler of Canterbury erschienen; der Schuster hat darin nicht nur die erste Erzählung zu liefern, sondern auch das Ganze herauszugeben, als an Invective against Tarlton's Newes out of Purgatorie (gedruckt auch 1590), um an Witz und gutem Englisch mit einem Lilly und Greene zu wetteifern. Aus späterer Zeit sind die lustigen Schuhklopfer in Patient Grizzel (1603) zu erwähnen, die das schöne Lied von der Zufriedenheit singen, ferner die kleine Cobblergeschichte in Dekker's Newes from Helle (1606; Dekker's Werke 1, II 146); und daß der Schuhflicker bis in unser Jahrhundert hinein seine Beliebtheit noch nicht eingebüßt hat, lehrt die Aufzählung von Stücken, in denen er die Hauptrolle spielt, in Baker's Biographia Dramatica (I1, 111), sowie eine Geschichte von einem lustigen Schuhflicker in Clouston's Popular Tales II 43, die vielleicht auf einen sehr alten Schwank zurückgeht. In unserem Stücke ist das Auftreten des Schuhflickers um so wichtiger, als es neben der scharfen Satire auf Hof und Gelehrte dem Ganzen eine besonders volksthümliche Färbung verleiht.

In auffälliger Weise stellt Wilson den Soldaten Sateros als Muster von Festigkeit, Redlichkeit, Treue und Muth in scharfen Gegensatz zu dem feigen und habsüchtigen Edelmann, dem hinterlistigen und niedrig gesinnten Gelehrten und dem verrätherischen Höfling. Sateros wird des Näheren als ein Feldherr geschildert, der von einer kühnen Kriegsfahrt aus der Ferne zurückkommt und noch einmal auf Befehl des Herrschers einen erfolgreichen Zug unternimmt, aber trotz seiner Verdienste mit Ränken der Hofleute zu kämpfen hat. Es liegt sehr nahe, dabei an eine wirkliche Person zu denken, am ehesten

an den auch bei den Schauspielern sehr beliebten Grafen Essex, der im Jahre 1589 aus Portugal und 1592 aus Frankreich zurückkehrte, wo er sich persönlich sehr hervorgethan und beträchtliche Erfolge errungen hatte, der aber bei Hofe durch den Wankelmuth der Königin und allerhand Ränke des Hofes nicht die verdiente Anerkennung fand.

Schließlich sei noch auf einige Uebereinstimmungen mit Shakespeare's Sommernachtstraum hingewiesen, der, wie jetzt wohl allgemein angenommen wird (vgl. Sarrazin im Archiv für neuere Sprachen 1895, Bd. 95, S. 291), in demselben Jahre 1594 entstanden ist, in dem unser Stück gedruckt wurde. In beiden Stücken nimmt ein Soldat, hier Sateros, dort Theseus, unter den menschlichen Figuren die ehrfurchtgebietendste Stelle ein; in beiden erscheinen über den Menschen Gottheiten, die sich streiten und ihren Streit auf die Menschen verpflanzen, dort Oberon und Titania, hier Mars und Venus. Dort werden zwei Liebhaber, hier der Schuhflicker und seine Frau, durch den Götterboten im Interesse der Gottheiten verzaubert und wieder entzaubert; endlich dürfen sich in beiden Stücken clownische Handwerker unter die Götter mischen und ihnen sogar besonders nahe treten.

Eine angenehme Pflicht ist es mir, Herrn Professor Dr. Brandl für die Anregung zu dieser Arbeit, sowie für seine liebenswürdige Unterstützung während derselben auch hier meinen verbindlichsten Dank auszusprechen.

Zur leichteren Uebersicht sende ich eine knappe Inhaltsangabe voraus.

1. Aufzug: Aus einem Gespräche zwischen Merkur und Ceres erfahren wir die sittliche Verderbtheit, die in Bootien herrscht, und daß ein Gericht der Götter über Venus, die Göttin der Lust, erwartet wird. Unterdessen macht Merkur den mit seiner Frau Zelota fortwährend in Unfrieden lebenden Schuhflicker Raph zum Boten einer Weissagung an Mars, durch die dieser aus den Banden der Venus befreit werden soll; Zelota wird in Wahnsinn versetzt. (1. Auftritt.)

Auf seinem Wege zu Mars trifft Raph mit Männern verschiedener Stände, einem Soldaten, einem Höfling, einem Gelehrten und einem Landedelmann, zusammen. Alle diese Stände, der Soldatenstand ausgenommen, sind innerlich verderbt; sie alle huldigen dem «oul monster» Contempt, der die Verkörperung aller Weltverachtung und alles verbrecherischen Eigennutzes ist. In einer großen Disputation legen alle ihre Ziele und Denkungsart dar, und Raph weissagt ihnen baldigen Untergang. (2. Auftritt.)

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