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Unabhängig von obigen Herren, war auch ich auf die Suche gegangen, und hatte

durch Herrn Albert Cohn auf die richtige Fährte gebracht - mit Ausnahme der oben angeführten beiden Handschriften, dieselben Stellen gefunden, deren jede einzelne den geheimnisvollen Schleier zerreißt, welcher um dieses sogenannte «Unicum» schweben sollte.

Es ist der Dativus oder Ablativus Pluralis von honorificabilitudinitas und das längste Wort des mittelalterlichen Lateins.

Das Hauptwort dürfte entstanden sein aus honorificare (= honoribus et dignitatibus cumulare) und tudinare (= percutere oder negotiari) und bedeutet «Ueberhäufung mit rein äußerlichen Ehrenbezeugungen».

Das Lexicon manuale ad scriptores mediae et infimae latinitatis par W. H. Maigne d'Arnis, publié par Mr. l'Abbé Migne, Paris 1866 erklärt: h- = honor, honneur.

Ebenso wird h– in Dufresne du Cange's Glossarium mediae et infimae Latinitatis (Niort 1885) mit honor erklärt, und aus der dort angezogenen Belegstelle geht deutlich hervor, daß dieses honor mit «Ehrung» oder «Erweisung von Ehrenbezeigungen» zu übersetzen ist.

Diese Beweisstelle steht in Albertinus Mussato (lebte 1261—1329), de Gestis Henrici VII (regierte 1308-1307) lib. 3, rubr. 8, apud Murator. (lebte 1672–1750) tom. 10, col. 376 und lautet: (der Doge von Venedig selbst hatte an den König - Heinrich VII. Gesandte geschickt) cum regalibus exeniis honorificabilitudinitatis nec obsequentiae ullius causa, also: «mit königlichen Gastgeschenken (Xenien) zur Ueberhäufung mit Ehrenbeweisen und nicht zu irgend einer Bekundung von Gehorsam.»

Muratorius (Mediolani 1727) erklärt hinzu in einer Anmerkung, Mussato habe, sich auf die Autorität Dante's und Joannes de Balbi's stützend, das in Rede stehende Wort gebraucht, um damit «ein Bild der Gesandtschaft auszudrücken». Wir erhalten mithin die klare Bedeutung des Wortes: «Ueberhäufung mit äußerlichen Ehrenbezeigungen, die jedoch so gehalten sein sollten, daß in keiner Weise daraus auf ein Unterthänigkeitsverhältniß des Dogen geschlossen werden konnte»; denn solchen Auftrag hatten die Gesandten, denen es noch besonders ausdrücklich verboten war, die Füße des Königs zu küssen.

Der Verdeutscher des Muratorischen Werkes, Dr. W. Friedensburg, sagt in einer Anmerkung zu obiger Stelle: Mussato bedient sich des längsten Wortes, welches in der lateinischen Sprache vorkommt

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vielleicht um durch dieses schwülstige Wort den eitlen Prunk und die Hoffart der Venezianer zu bezeichnen.

Dante Aligerius (lebte 1265-1325), oder vielmehr – nach einer Notiz auf dem Titelblatte des Buches in der Berliner Königlichen Bibliothek sein Mitarbeiter, Joannes Georgius Trisinus Vicentius, führt in dem Schriftchen De vulgari eloquentia (1577 in Paris gedruckt) unter der Kapitelüberschrift Distinctio vocabulorum: et quae sint ponenda et quae in metro vulgaria cadere non possunt eine Reihe von italienischen Worten an, die sich für ein Versmaß nicht eignen. Die Silbenzahl dieser Worte mehrt sich, bis die Liste mit dem 11silbigen Ungethüm souramagnificentissimamente schließt. Dann fährt der Verfasser fort - könnte noch ein Wort, oder Zeitwort mit mehr Silben erfunden werden, aber das überstiege die Leistungsfähigkeit aller unsrer Vers-Rhythmen (capacitatem nostrorum omnium carminum) und schiene ihm für die vorliegende Abhandlung nicht nothwendig, wie man dasselbe auch sagen könnte von jenem (illud) honorificabilitudinitate, welches die vulgäre Sprache als 12silbiges herstellt, während die Grammatik bei der Beugung sogar 13 Silben herausbilde u. S. W.

Das Wort «jenem» kann kaum etwas anderes bedeuten, als daß h-jener Zeit allgemein bekannt war. (Karl Borinski).

In der Druckausgabe (Venetiis 1497) des Catholicon von Joannes de Balbi (lebte bis 1298) steht unter honorifico:

Item ab honorifico: honorificabilis-bilior-bilissimus; unde honorificabiliter-lius -issime, adverb. Honorificabilitas-tatis , honorificabilitudo-dinis, unde: honorificabilitudinitas; - haec est longissima dictio, ut patet ex hoc

versu:

Fulget honorificabilitudinitatibus iste.

So scheint dieses Unwort etwa im 8. Jahrhunderte (?) entstanden zu sein, wird im 13. und 14. Jahrhunderte von nambaften Schriftstellern gebraucht, erscheint beim Druck und Wiederdruck der Werke Letzterer im 15., 16. und 18. Jahrhundert und findet sich in Shakespeare's Love's Labour's Lost V, 1, sowie auf einem Zettel, der aus dem Nachlasse Bacon's stammen soll, aber nicht von diesem Gelehrten, sondern von unbekannter Hand beschrieben ist.

Wie Shakespeare das Wort kennen lernte, darüber fehlt noch jeder sichere Anhalt. Der Möglichkeiten sind gar viele. Die wahrscheinlichste scheint mir die zu sein, daß englische Gelehrte jener Jahrbuch XXXIII.

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Zeit de Balbi's Catholicon kannten und unter Benutzung desselben Vorträge gehalten, oder Unterricht ertheilt haben, in welchem Falle das 13 silbige Wortungeheuer, – die longissima dictio de Balbi's – in weiteren Kreisen bekannt werden konnte. Das Catholicon war ja seiner Zeit ein Epoche machendes Werk und wurde im 15. Jahrhundert in Italien, Frankreich und Deutschland in 19 Auflagen gedruckt, muß also auch die Aufmerksamkeit englischer Gelehrten erregt haben.

Alfred von Mauntz.

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Zwei Shakespeare-,,Probleme“.

Anfragen an Kenner. Unmittelbar «vor Thorschluß>, im Begriffe in die Osterferien zu gehen, finde ich noch Anlaß, zwei Kleinigkeiten der Oeffentlichkeit, d. h. der Shakespeare-Gemeinde, erwägungshalber vorzulegen:

1) Hamlet III, 4, 114. Der mir befreundete strebsame junge Schauspieler Dr. jur. Karl Parow aus Berlin, «Held» und «Heldenvater», citierte mich, soeben aus der Konstanzer Wintersaison angelangt, wegen einer Stelle, die er als «Geist von Hamlet's Vater> zu sprechen gehabt, aber nicht verstanden hatte: III, 4, 114 (Globe and Cambridge Edition):

Conceit in weakest bodies strongest works.

An der Bühne, der er angehörte, hatte man Schlegel's Uebersetzung zu Grunde gelegt, und so hatte er also hier gesagt:

In Schwachen wirkt die Einbildung am stärksten.

An dem Worte «Einbildung» hatte der denkende Künstler Anstoß genommen, und auch ich war, offen gestanden, auf die Interpellation hin an diesem Ausdrucke hängen geblieben. Ein Vergleichen ergab, daß auch die revidierte Ausgabe der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft unter Oechelhäuser's Aegide sowie die von Max Koch besorgte der Cotta'schen Bibliothek der Weltliteratur, also zwei anerkannt sorgsam durchgesehene Neudrucke, den Schlegel'schen Wortlaut beibehalten haben. Da fand ich beim Nachschlagen in einer 1856er Routledge-Ausgabe des Johnson-Steevens-Reed-Textes, die ich auf gut Glück zur Hand nahm, eine wohl auf den alten ehrsamen Nicholas Rowe, diesen Vater des Shakespeare-Edierens (auf dem Titel heißt es:

with glossarial notes etc. by Nicholas Rowe), zurückgehende Fußnote : imagination, zu dem schwierigen Worte conceit. Für letzteres bieten nun allerdings die Lexika unter andern auch «Einbildung», aber an unserer Stelle deckt sich dieser Begriff nicht mit dem, was wir im Schriftdeutschen darunter für gewöhnlich, wenigstens heute, verstehen. Schlegel, der wohl die Rowe’sche Anmerkung zu Grunde gelegt hat, mochte, wie auch der Norddeutsche Parow annimmt, an eine norddeutsche, halb provinzialismusartige Nebenbedeutung von «Einbildung denken, wonach dies etwa das Substantiv zu «einreden, hineinreden » bildet. Bei der wichtigen Rolle, die der anweisenden Rede des Geistes in der Scene zwischen Hamlet und seiner Mutter für die Entwicklung zufällt, ist der Sinn dieses Verses keineswegs nebensächlich. Prof. Leo erklärt mir: die durch self-conceit hervorgerufene Einbildung.

2) Vor-Shakespeare'sches «Pyramus und Thisbe»-Stück?

In den «Münchener Neuesten Nachrichten», 17. April 1897, Morgenblatt, S. 3 lese ich:

«Die Stockholmer Ausstellung dieses Jahres bringt auch auf der Höhe eines mit hundertjährigen Eichen bewachsenen Hügels, von dem sich eine entzückende Aussicht über den berühmten Hafen Stockholms eröffnet, eine Theater-Ausstellung. . . . . An die Theater-Ausstellung schließt sich eine für 1500 Personen bestimmte Konzerthalle. Hier werden dreimal wöchentlich Aufführungen veranstaltet. Diese umfassen historische Vorstellungen, von Studenten der Universität Upsala aufgeführt. Ende März fand im königlichen Opernhause im Beisein des Königs und der ganzen königlichen Familie eine Probe-Aufführung unter stürmischem Beifall statt. Das Programm brachte u. A. eine Seltenheit von großem Werthe, nämlich eine lustige Komödie Namens «Tisbe», eine im Anfang des 16. Jahrhunderts ausgeführte schwedische Uebersetzung eines alten englischen Stückes, das Shakespeare's Sommernachtstraum zu Grunde gelegen hat. . Das englische Original und eine deutsche Uebersetzung davon ist verschwunden. Nur die schwedische ist noch vorhanden und wurde vor 15 Jahren in einer Trödlerbude in Stockholm aufgefunden.»

Die am Schlusse dieser feuilletonistischen Notiz gemeldete Entdeckung war mir bislang, obschon ich seit Jahren über den «Pyramus und Thisbe»-Stoff gesammelt und wiederholt Mittheilungen gemacht habe, völlig unbekannt, scheint mir aber, wenigstens in dieser Form, ebenso fragwürdig, wie das in den vorhergehenden Zeilen angedeutete

Verhältniß des doch nur mit mehr oder weniger Wahrscheinlichkeit angenommenen vor-Shakespeare'schen play – von Prosabehandlungen wissen wir Bestimmteres – zu einer deutschen Nachahmung in der Luft schwebt. Da steht doch die, mir in der Hauptsache recht sympathische Hypothese von K. Th. Gädertz, «Zur Kenntniß der altenglischen Bühne nebst andern Beiträgen zur Shakespeare-Literatur, (1888), S. 21—32: «Zum Zwischenspiel im Sommernachtstraum», auf viel festerem Boden. Wer kann obige verworrene Angaben aufklären oder, noch besser, diesen 1897er Sommer authentische Kunde von einem Nordlandsausfluge, beziehentlich von unsern skandinavischen Shakespeare-Forschern H. Schück, Georg Brandes, W. Bolin, F. Holthausen u. S. w., bringen? München.

Dr. Ludwig Fränkel.

1) Vergleiche dazu (s. auch hier S. 297 unten) mein ausführlich begründendes Referat in Kölbing's Engl. Stud. XV, 442-444.

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